Senior-Experten Management bei Bosch

Von einem ambitionierten IT-Projekt zum weltweiten Rollout eines Tools.

Mit Experten, die in den Ruhestand gehen, wandert in Unternehmen Jahr für Jahr wertvolles Know-how in die Untätigkeit ab. Das verstärkt zwei der großen aktuellen Herausforderungen: Fachkräftemangel und Demografischer Wandel.

Für Unternehmen entsteht brachliegendes Potential. Doch in diesem Potential liegt auch eine Chance, die gerade bei Unternehmern in den Ohren klingeln sollte: Kapazitäten-Reserve und flexibel auf Projektspitzen reagieren.

Ernst Gründler ist 75 Jahre alt. Er ist Rentner und müsste eigentlich nicht mehr arbeiten. Über 40 Jahre lang war er für das Qualitätsmanagement in der Produktion bei Bosch verantwortlich. „Mir macht es immer noch Spaß, mit jungen Leuten Kontakt zu haben. Ich kann nicht dauernd zu Hause sein“, sagt Gründler zu seiner Motivation für seinen ehemaligen Arbeitgeber tätig zu sein.

Er arbeitet immer noch zwei bis drei Tage die Woche bei Bosch als Senior-Experte. Herr Gründler kennt sich in der Organisation aus, benötigt keine Einlernzeit und weiß, wo er bestimmte Ressourcen im Unternehmen findet. „Somit wird ein bestimmtes Problem schneller erledigt“, sagt Herr Gründler.

„Mir macht es immer noch Spaß, mit jungen Leuten Kontakt zu haben. Ich kann nicht dauernd zu Hause sein.“

Ernst Gründler, Senior-Experte bei Bosch

Was logisch und einfach klingt, hat einen langen Weg hinter sich

Die Idee, Experten im Ruhestand zu aktivieren und ihr Know-how weiterhin für das Unternehmen zu nutzen, ist bei Gründlers Arbeitgeber nicht ganz neu. Bereits seit 17 Jahren werden dort erfahrene, pensionierte Führungskräfte in Projekte vermittelt. Allerdings war der Prozess noch vor ein paar Jahren sehr mühsam.

Eine komplexe Excel-Tabelle diente als Grundlage für den weltweiten Erfolg einer Software, die motivierte Experten mit dem Bedarf in Unternehmen verbindet, unbürokratisch und verfahrenskonform. Die besagte Tabelle wurde mit Daten von Experten im Ruhestand gepflegt, die bereit waren, auch während der Rentenzeit projektweise Aufgaben für ihren alten Arbeitgeber zu übernehmen.

Neben den üblichen Daten wie Namen, Adresse, Kontaktdaten ist die Expertise des jeweiligen Pensionärs von besonderer Bedeutung. Sie bildet die Grundlage für das passgenaue Matching zwischen Bedarf und Senior-Experte.

Demographische Entwicklung - fehlendes Arbeitskraftangebot
Im Jahr 2030 fehlen dem Arbeitsmarkt mehrere Millionen Fachkräfte

Den Daten der Excel-Tabelle stand der Experten-Bedarf des Unternehmens gegenüber. Gefragt waren spezielle Kenntnisse und Fertigkeiten, entsprechende Umsetzungskompetenz und Erfahrung auf diesem Gebiet. Das alles am besten gebündelt in einer Person. Diese sollte sofort starten, sowie entsprechende Sozialkompetenz und interkulturelle Kommunikationsfähigkeiten mitbringen. Die Excel-Tabelle sollte damals das entsprechende Resultat bringen – das Leid, das jeder kennt: Was mit wenigen Experten begann, stieß mit dem rasanten Wachstum an die Grenzen des Praktikablen.

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